Veröffentlicht: · Aktualisiert: Fabian Klement · Wirtschaftsprüfer und Steuerberater  · 4 Minuten Lesezeit

Kleinunternehmerregelung 2026: Grenzen, Vor- und Nachteile

25.000 EUR im Vorjahr und 100.000 EUR im laufenden Jahr: So gelten die Grenzen 2026. Mit Gründungsjahr-Beispiel, Vorsteuer und Wechsel zur Regelbesteuerung.

25.000 EUR im Vorjahr und 100.000 EUR im laufenden Jahr: So gelten die Grenzen 2026. Mit Gründungsjahr-Beispiel, Vorsteuer und Wechsel zur Regelbesteuerung.

Für bereits bestehende, in Deutschland ansässige Unternehmen gilt 2026: Der Gesamtumsatz 2025 darf 25.000 EUR nicht überschritten haben; im Jahr 2026 gilt eine Grenze von 100.000 EUR. Im Jahr der erstmaligen Aufnahme der unternehmerischen Tätigkeit ist dagegen die Grenze von 25.000 EUR maßgeblich. Ein bestehender Verzicht auf die Regelung kann ihre Anwendung zusätzlich ausschließen.

Die Kleinunternehmerregelung ist eine Umsatzsteuerbefreiung. Sie ersetzt weder die Einkommensteuer noch die steuerliche Anmeldung oder die Gewinnermittlung.

Welche Umsatzgrenzen gelten 2026?

SituationMaßgeblicher GesamtumsatzFolge
Unternehmen bestand bereits 20252025 höchstens 25.000 EUR und 2026 höchstens 100.000 EURKleinunternehmerbefreiung grundsätzlich möglich
Gesamtumsatz 2025 über 25.000 EURUnabhängig von einer niedrigeren Umsatzplanung 20262026 keine Kleinunternehmerbefreiung
Erstmalige Aufnahme der unternehmerischen Tätigkeit 20262026 höchstens 25.000 EURGründungsjahrgrenze; keine Hochrechnung auf zwölf Monate

Gemeint ist der Gesamtumsatz nach § 19 Abs. 2 UStG, nicht der Gewinn. Die Berechnung richtet sich grundsätzlich nach vereinnahmten Entgelten. Bestimmte steuerfreie Umsätze und Verkäufe von Anlagevermögen bleiben dabei außer Ansatz. Wer mehrere Tätigkeiten als derselbe Unternehmer ausübt, muss sie gemeinsam betrachten.

Rechtsgrundlage ist § 19 UStG. Die Finanzverwaltung erläutert insbesondere den Tätigkeitsbeginn in Abschnitt 19.1 Abs. 3 UStAE im BMF-Schreiben vom 18. März 2025.

Was passiert, wenn die Grenze überschritten wird?

Der Umsatz, mit dem die jeweilige laufende Grenze überschritten wird, fällt bereits vollständig aus der Kleinunternehmerbefreiung. Es wird also nicht nur der übersteigende Teil steuerpflichtig. Die davor wirksam steuerfreien Umsätze bleiben grundsätzlich steuerfrei. Ab dem Wechsel sind Rechnungsstellung und Umsatzsteuermeldungen anzupassen.

Beispiel für eine Gründung im Juli 2026

Eine Unternehmerin beginnt erstmals am 1. Juli 2026. Bis Ende Oktober vereinnahmt sie 23.000 EUR aus inländischen Beratungsleistungen. Im November folgt ein weiterer, sofort bezahlter Auftrag über 4.000 EUR netto. Dieser Auftrag überschreitet die Gründungsjahrgrenze von 25.000 EUR und unterliegt insgesamt der Regelbesteuerung. Bei einem Steuersatz von 19 % kommen 760 EUR Umsatzsteuer hinzu; ob diese zusätzlich vom Kunden verlangt werden können, hängt von der Preisvereinbarung ab.

Bleibt ihr maßgeblicher Gesamtumsatz stattdessen bis zum Jahresende bei 24.000 EUR, ist keine Hochrechnung auf einen fiktiven Jahresumsatz vorzunehmen. Für 2027 ist dann die Vorjahresgrenze eingehalten; die laufende Grenze beträgt grundsätzlich 100.000 EUR.

Was bedeutet die Befreiung für Rechnungen und Vorsteuer?

Auf Rechnungen wird keine Umsatzsteuer gesondert ausgewiesen. Erforderlich ist ein Hinweis auf die Steuerbefreiung nach § 19 UStG; die weiteren Pflichtangaben ergeben sich aus § 34a UStDV. Für Eingangsleistungen, die für diese steuerfreien Umsätze verwendet werden, besteht grundsätzlich kein Vorsteuerabzug. Maßgeblich ist § 15 Abs. 2 UStG.

Bei Auslandsbezügen bleiben Sonderpflichten möglich, etwa Umsatzsteuer nach § 13b UStG für bestimmte eingekaufte Leistungen. Auch Kleinunternehmer können dafür Umsatzsteuermeldungen abgeben müssen; siehe § 18 Abs. 4a UStG. Die Kleinunternehmerregelung ist deshalb keine pauschale Befreiung von sämtlichen Umsatzsteuerpflichten.

Welche Vorteile bietet die Kleinunternehmerregelung?

Typische Vorteile sind:

  • einfachere Rechnungsstellung
  • geringerer Verwaltungsaufwand
  • häufig weniger laufende Meldungen
  • Preisvorteile gegenüber Privatkunden
  • einfacher Einstieg in die Selbständigkeit

Besonders bei Tätigkeiten mit überwiegend privaten Endkunden kann dies attraktiv sein.

Welche Nachteile gibt es?

Der größte Nachteil besteht regelmäßig im fehlenden Vorsteuerabzug.

Das bedeutet, dass die in Eingangsrechnungen enthaltene Umsatzsteuer wirtschaftlich zur Belastung wird.

Weitere Nachteile können sein:

  • geringere Vorteile bei hohen Investitionen
  • spätere Umstellung auf Regelbesteuerung
  • Einschränkungen bei starkem Wachstum

Wann kann die Kleinunternehmerregelung sinnvoll sein?

Häufig sinnvoll bei:

  • Nebenerwerbsgründungen
  • geringen Anfangsinvestitionen
  • Dienstleistungen
  • privaten Endkunden
  • Testphase eines Geschäftsmodells

Wann ist die Regelbesteuerung häufig sinnvoller?

Die Regelbesteuerung kann insbesondere sinnvoll sein bei:

  • hohen Investitionen
  • B2B-Geschäftsmodellen
  • schneller Wachstumsplanung
  • Vorsteuerüberschüssen
  • größeren Anschaffungen

Gerade bei Software, Hardware, Fahrzeugen oder umfangreichen Marketingmaßnahmen kann ein zulässiger Vorsteuerabzug erhebliche Vorteile bringen. Ein freiwilliger Verzicht auf die Kleinunternehmerbefreiung bindet nach § 19 Abs. 3 UStG grundsätzlich mindestens fünf Kalenderjahre. Deshalb sollten auch die geplanten Folgejahre in die Entscheidung einfließen.

Kleinunternehmerregelung und GmbH

Auch Kapitalgesellschaften können grundsätzlich die Kleinunternehmerregelung nutzen, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Allerdings wird bei GmbHs häufig direkt die Regelbesteuerung gewählt.

Weitere Informationen:

GmbH gründen Kosten und Ablauf 2026

Kleinunternehmerregelung und UG

Auch bei einer UG stellt sich regelmäßig die Frage, ob die Kleinunternehmerregelung genutzt werden soll.

Weitere Informationen:

UG gründen Kosten und Ablauf 2026

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Häufige Fehler

Zu den häufigsten Fehlern gehören:

  • Entscheidung ohne Wirtschaftlichkeitsprüfung
  • Vorsteuerabzug nicht berücksichtigt
  • falsche Rechnungsstellung
  • Umsatzgrenzen falsch eingeschätzt
  • fehlende Planung für Wachstum

Fazit

Die Kleinunternehmerregelung kann für viele Gründer ein sinnvoller Einstieg sein. Sie ist jedoch nicht automatisch die wirtschaftlich beste Lösung.

Vor der Entscheidung sollten Umsatzplanung, Investitionen und Kundenstruktur analysiert werden.

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